Aber hallo! Low-Code erobert die Herzen der CIOs (Teil 2)

 

Eric Bloom, Geschäftsführer des IT Management and Leadership Institute

(Dies ist die abschließende Folge einer zweiteiligen Serie, in der Eric Bloom (@EricPBloom), Ex-CIO, Bestsellerautor und Geschäftsführer des IT Management and Leadership Institute, das Potenzial der Low-Code-Anwendungsentwicklung als Produktivitätsspritze für die IT erläutert. Teil 1 finden Sie hier.) 

Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass die digitale Transformation die Nachfrage nach neuen Unternehmensanwendungen so stark anheizt, dass sie in den IT-Abteilungen mit Besorgnis wahrgenommen wird.

Tatsächlich herrscht unter Entwicklern und IT-Managern der Eindruck vor, dass es ihnen an den notwendigen Tools fehlt, um den von den Fachabteilungen ausgehenden Druck einer digitalen Transformation zu minimieren. Wie bereits in der letzten Folge erwähnt, haben einem Bericht von Forrester zufolge 75 % der Unternehmen Bedenken, Anwendungen nicht schnell genug liefern zu können, um den Anforderungen der Fachabteilungen nachzukommen.

Eine überwiegende Mehrheit (86 %) der IT-Fachkräfte nennt zudem die steigende Nachfrage nach neuen Anwendungen und Technologie-Integrationen als den Faktor, der in ihrem Unternehmen am meisten Beunruhigung auslöst. Dies geht aus einer aktuellen IDG-Umfrage hervor.

Benutzerfreundliche Tools, die eine schnellere Anwendungsentwicklung ermöglichen, schaffen hier effektiv Abhilfe. Entsprechend sind sage und schreibe 80 % der befragten IT-Fachkräfte überzeugt, dass Low-Code-Anwendungsentwicklung einen optimalen Lösungsansatz bietet.

Und damit wären wir schon beim Thema der zweiten und letzten Folge dieses wichtigen Gesprächs über die wachsende Bedeutung von Low-Code mit Eric Bloom, dem früheren CIO eines „Fortune 500“-Unternehmens.

Als Verfasser einer Technologiekolumne und Bestsellerautor ist Bloom ein ausgewiesener Experte in allen Fragen der digitalen Transformation und der Vorteile schneller Anwendungsentwicklung. Wie er betont, geht es bei digitaler Transformation zu 75 % um die Nutzung digitaler Technologien zur Leistungssteigerung bei gleichzeitiger Kostenreduzierung und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit.

„Das machen wir sowieso seit eh und je“, so Bloom.

„… Das eigentliche Potenzial (von Low-Code) sehe ich jedoch bei der Neustrukturierung von Geschäftsprozessen. Schnelle Anwendungsentwicklung eignet sich ideal zur Optimierung interner Abläufe. Für Unternehmen, die im Rahmen der digitalen Transformation ihre internen Betriebsabläufe umstrukturieren wollen, ergeben sich hier echte Chancen.“

In Teil 1 dieser Serie ging es um die Vorteile von Low-Code zur Bekämpfung der sogenannten Schatten-IT. In dieser Folge nehmen wir den wirtschaftlichen Wert der Low-Code-Anwendungsentwicklung genauer unter die Lupe und schauen uns an, welche Rolle sie im Gesamtbild der digitalen Transformation spielt und in welche Richtung die Reise weitergeht.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen.

Low-Code: Produktivitätsspritze für Fachabteilungen und IT

Appian: Kommen wir also zum wirtschaftlichen Wert der Low-Code-Anwendungsentwicklung – und zu der Frage, wie man ihn dem Unternehmensvorstand nahebringt, der in der Regel nicht über entsprechendes technisches Fachwissen verfügt?

Bloom: Ich verstehe No- bzw. Low-Code als einen Pfeil im Köcher der IT, der sich in bestimmten Situationen sehr wirksam einsetzen lässt. Für die IT bietet sich hier eine Chance, den Fachabteilungen tatkräftige Unterstützung bei der Steigerung ihrer Produktivität zu leisten. Wenn sie (die Geschäftsführung) das Potenzial der Low-Code-Anwendungsentwicklung ausschöpfen wollen, müssen sie sich von der IT entsprechend schulen lassen. Low-Code ist ein tolles Werkzeug – aber man muss damit umzugehen wissen.

Das Gleiche gilt für jede Cloud-basierte Anwendung. Wenn eine Fachabteilung eigenständig eine No- oder Low-Code-Plattform implementieren will, braucht sie dazu realistisch gesehen nur eine Kreditkarte und eine Verbindung, die die Firewall umgeht. Heutzutage ist ja sowieso alles Cloud-basiert, sodass die Fachabteilungen nicht mehr auf Unterstützung durch die IT angewiesen sind.Nehmen wir einmal einen beliebigen CRM-Anbieter als Beispiel, der auf SaaS-Basis arbeitet.Der sieht den Vertrieb als erste Anlaufstelle und sorgt dafür, dass der Vertrieb von dem Produkt überzeugt ist und dann die IT dazu bringt, es zu implementieren. Um ehrlich zu sein, würde ich es als Chef eines SaaS-Unternehmens genauso machen – und zwar deshalb, weil die IT zwar nein sagen kann, aber nicht ja sagen kann.Die IT kann zum Vertriebsleiter gehen und sagen: „Also, wir haben da diese neue SaaS gefunden und wollen jetzt die gesamte Software austauschen, mit der ihr seit 20 Jahren so gerne arbeitet. Und stattdessen implementieren wir dann diese neue Anwendung namens [beliebigen SaaS-Anbieter einfügen].“

ROI für App-Entwicklung geht steil in die Höhe

Appian: Diesen Ansatz halten Sie also für falsch?

Bloom: Na ja, so ist es halt bisher in der Praxis gelaufen.

No-Code-/Low-Code-Plattformen zählen heute zur integrierten Infrastruktur, deswegen sollte man sie meiner Meinung nach als unternehmensbasierte Architektur zur schnellen Anwendungsentwicklung präsentieren, um die IT von ihren Vorteilen zu überzeugen.

Die Investitionen pro Rechner pro Monat, pro Quartal oder pro Jahr – die Höhe hängt vom jeweiligen Tool bzw. der Anzahl der betroffenen Rechner ab – zahlen sich in jedem Fall aus. Auf einer Low-Code-Plattform zur Anwendungsentwicklung kann man alle möglichen unterschiedlichen Apps entwickeln, ohne dass sich dadurch der Preis pro Rechner ändert.Wenn die Plattform ordentlich implementiert und benutzt wird, ist die erste App, die man darauf entwickelt, womöglich etwas teuer. Aber bei der zweiten, dritten, vierten, fünften App usw. geht der ROI steil in die Höhe, weil die Apps schneller entwickelt werden und die Plattform sich dabei amortisiert. Das heißt, die Entwicklungskosten pro Anwendung sind sehr gering.

Low-Code ist keine Alternative zur IT

Appian: Mich würde auch die Kehrseite interessieren. Gibt es gängige Missverständnisse bezüglich No-Code-/Low-Code, die Ihnen immer wieder begegnen?

Bloom: Viele CIOs – so auch ich selbst – haben in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit No- und Low-Code-Anwendungen gemacht. Ich arbeitete damals als Programmierer und musste mit einem COBOL-Codegenerator der vierten Generation arbeiten, bei dem ich meine Anforderungen per Point-and-Click eingab und die Software den COBOL-Code ausgab.

Appian: Und das lief nicht optimal?

Bloom: Wenn man eine Funktion programmieren sollte, die die Plattform selbst nicht unterstützt hat, war der ausgegebene Code nicht lesbar. Diese Codegeneratoren liefen häufig unter der Bezeichnung No-Code-Tools. Im Laufe der Zeit kamen dann einige andere hervorragende Entwicklungsplattformen auf den Markt, wie z. B. Excel, die von Leuten benutzt wurden, die keine professionellen Programmierer sind.

Und wenn die Daten dann inkorrekt waren oder verloren gingen bzw. die zuständige Person das Unternehmen verließ, musste die IT einspringen und das Schlamassel wieder in Ordnung bringen.

Das Ganze wurde noch verschlimmert dadurch, dass im Laufe der Zeit zahlreiche Anbieter – ich will jetzt aber keine Namen nennen – den No-Code-/Low-Code-Ansatz als Alternative zur Anwendungsentwicklung durch die unternehmenseigene IT verkauft haben. Aus all diesen Gründen rollen viele CIOs mit den Augen, wenn sie nur den Begriff „No-Code/Low-Code“ hören.

Appian: Weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben?

Bloom: Ja, genau. Ich bin jedoch überzeugt, dass man der IT Low-Code als eine ausgereifte Plattform für Anwendungsentwicklung präsentieren sollte. Dann ist das eine völlig andere Geschichte, als wenn man sie unter Mitwissen der Buchhaltung durch die Hintertür einschmuggelt, weil die IT sich weigert, die Anwendung zu entwickeln, die man gerne hätte.

Neustrukturierung der Geschäftsprozesse im Turboverfahren

Appian: Kommen wir zu einem anderen, aber verwandten Thema. Derzeit reden alle von digitaler Transformation. Welche Rolle spielt das Thema Low-Code Ihrer Meinung nach innerhalb der Gesamtthematik digitale Transformation?Bloom: Digitale Transformation? Nie gehört. Das war nur ein Scherz (lacht). Ich habe über dieses Thema schon jede Menge geschrieben. Und als CIO habe ich es quasi am eigenen Leib erlebt.

Ganz grundlegend verstehe ich digitale Transformation als Neustrukturierung der Geschäftsprozesse im Turboverfahren. So gesehen besteht digitale Transformation zu 75 % aus dem, was IT-Abteilungen schon seit 30 oder 40 Jahren machen.

Appian: Okay, wie würden Sie es also definieren?

Bloom: Als Nutzung digitaler Technologien zur Leistungssteigerung bei gleichzeitiger Kostenreduzierung und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Daten sind sozusagen das Rohöl der digitalen Transformation. Speziell auf das Thema No-Code/Low-Code bezogen würde ich sagen, dass es vor allem bei der Neustrukturierung von Geschäftsprozessen eine wichtige Bedeutung hat. Schnelle Anwendungsentwicklung eignet sich ideal zur Optimierung interner Betriebsabläufe. Und das ist eine gute Sache.

Ich glaube nicht, dass diese Plattformen neue Ertragsströme erschließen können, so wie es beispielsweise bei Uber der Fall ist. Wenn ein Unternehmen aber im Rahmen einer digitalen Transformation seine internen Betriebsabläufe optimieren will, dann kann Low-Code die Optimierung der Geschäftsprozesse unterstützen.

Wie geht es weiter? 2020 und danach

Appian: Wo wir schon bei der Optimierung der Geschäftsprozesse sind, würde ich gerne auf künstliche Intelligenz (KI) zu sprechen kommen. Das ist momentan ein ganz heißes Thema. Und es kommt schneller in der Mitte der Gesellschaft an, als viele Menschen erwartet hätten – man denke an Alexa, Siri und das Internet der Dinge. Welche großen Trends sehen Sie für 2020 und darüber hinaus voraus?Bloom: Sie haben gerade Alexa und Siri erwähnt. Genaugenommen handelt es sich dabei um autonome Roboter. Was die machen, ist lediglich Spracherkennung. Und das machen sie echt super. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich finde es klasse, wenn mein Amazon Dot auf meinen Befehl Musik anmacht. Aber das würde ich nicht mit KI in einen Topf schmeißen. Sondern es dient dazu, die KI mit Daten zu füttern. In dieser Hinsicht bin ich wohl Purist, aber für mich sind das unterschiedliche Anwendungen.

Die wichtigste Neuerung, die sich gerade in den verschiedensten Bereichen durchsetzt, ist maschinelles Lernen. Darunter verstehe ich eine Technologie, die zur Implementierung von KI eingesetzt wird. Aktuell ist sie allgegenwärtig. Die Algorithmen werden immer besser, die verfügbaren Datenmengen immer größer. Diese Entwicklung mitzuverfolgen, ist beeindruckend.

Ich gehe davon aus, dass in naher Zukunft keine Anwendung ohne ein irgendwie geartetes Machine-Learning-Modul auf den Markt kommen wird.

Die führenden Trends der letzten Jahre – Big Data, die Cloud und Social Media – sehe ich eher als Basistechnologien für andere Innovationen. Konkret beziehe ich mich hier auf Predictive Analytics, Sentimentanalyse und allgemein eine effizientere Nutzung von Daten. Ich gehe davon aus, dass in naher Zukunft keine Anwendung ohne ein irgendwie geartetes Machine-Learning-Modul auf den Markt kommen wird.Und ich rechne damit, dass die weitere Integration derartiger KI-Kapazitäten spannend wird.

(Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, warum sich immer mehr CIOs für Low-Code begeistern, sollten Sie sich diese IDG-Studie zum Einfluss von Low-Code auf die IT-Zufriedenheit anschauen.) 

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