Vom Software-Untergrund zum Leben des Low-Code-Traums (Teil 2)

Suvajit Gupta, Senior VP of Engineering, Appian

(Dies ist der letzte Teil unserer zweiteiligen Serie zum Thema Low-Code Development und Innovation mit Suvajit Gupta (@suvajitgupta), Senior Vice President im Bereich Engineering bei Appian, einem Low-Code-Plattform-Unternehmen in Reston, Virginia. Jetzt hier den ersten Teil lesen.)

Als angehender Softwarentwickler träumte Suvajit Gupta davon, Architekt zu werden, großartigen Code zu schreiben und komplexe Software zu entwerfen und zu programmieren. Allerdings hatte er laut eigener Aussage keine Ahnung, wie er dorthin kommen könnte. Also tat er das, worin er richtig gut war: Programmieren.

Heute ist Gupta nicht mehr damit beschäftigt, Software selbst zu programmieren und zu entwerfen, sondern leitet Teams, die die Software hinter der Low-Code-Development-Plattform von Appian entwickeln. Gupta nennt dies die magische Schnittstelle zwischen dem, was er gerne tut und dem, worin er gut ist. Als leitender Manager verbringt er einen Großteil seiner Zeit bei Appian damit, mit Unternehmensgründern und Interessenvertretern zusammenzuarbeiten, um deren Geschäftsstrategien mit der Produkt-Roadmap von Appian in Einklang zu bringen.

Trotzdem hat Gupta nicht den Kontakt zu seinem inneren Nerd verloren. Tatsächlich sagt er, dass er ab und an noch immer programmiert, auch wenn das schon länger nicht mehr Teil seiner Job-Beschreibung ist. Und das führt uns wiederum zum Thema Low-Code-Entwicklungsplattformen zurück. (Übrigens, Low-Code-Plattformen ermöglichen es Ihnen, Ideen 20-mal schneller in Anwendungen zu verwandeln als durch das herkömmliche Programmieren. Forrester definiert sie als „Plattformen, die eine schnelle Bereitstellung von Unternehmensanwendungen mit einem Minimum an manueller Programmierung und minimaler Investition in Einrichtung, Schulung und Implementierung ermöglichen.“)

IT-Organisationen stehen heute unter enormem Druck, um mit der ständig steigenden Nachfrage nach neuen Anwendungen und der Integration von Bestandssystemen Schritt zu halten. Dabei zeigen Untersuchungen, dass IT-Experten die Low-Code-Entwicklung als die beste Möglichkeit betrachten, den Druck auf die IT zu verringern. Dies geht aus einer aktuellen IDG-Umfrage unter IT-Führungskräften und Entwicklern hervor. In Zahlen lässt sich dies noch deutlicher darstellen:

  • 80 % sind sich einig, dass Low-Code für die Automatisierung von sich wiederholenden Entwicklungsaufgaben, wie z. B. das Programmieren von Formularen und Geschäftsregeln, nützlich ist.
  • 79 % sind der Meinung, dass die Low-Code-Entwicklung zeitsparend ist. Mehr als zwei Drittel (68 %) sind der Meinung, dass Low-Code für die Entwicklung unternehmenskritischer Anwendungen geeignet ist.
  • Fast 80 % glauben, dass Entwickler durch den Einsatz von Low-Code mehr Zeit auf höherwertige Projekte verwenden können.

Vergangene Woche zeigte Gupta die Dringlichkeit der Umsetzung von Ideen in Software im Zeitalter der digitalen Transformation auf. In dieser Episode klärt er darüber auf, wie es der Low-Code-Ansatz Entwicklern ermöglicht, mit bemerkenswerter Geschwindigkeit von der Programmierung zu unmittelbaren Auswirkungen auf das Unternehmen zu gelangen. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen.

Appian: Aber Tools für die schnelle Anwendungsentwicklung gibt es doch bereits seit Jahrzehnten. Was unterscheidet moderne Low-Code-Lösungen und warum sind sie im Zeitalter neuer Technologien wie KI und intelligente Automatisierung so relevant?

Gupta: Low-Code löst das akute Problem, die Softwareentwicklung so agil zu machen, wie es das Unternehmen braucht. Aufgrund ihrer unglaublichen Flexibilität können Low-Code- Systeme Unternehmen dabei unterstützen, die neuesten Fortschritte in neuen Technologien wie KI und intelligente Automatisierung schnell zu integrieren und zu nutzen.https://youtu.be/U3Dw5XQTyUc

Appian: Apropos KI, Appian hat kürzlich angekündigt, dass es Google AI in seine Low-Code-Plattform integriert. Auch neue Integrationen mit UiPath und Automation Anywhere wurden erwähnt. Was ist aus Sicht der Softwareentwicklung das Wesentliche an diesen Integrationen?

Gupta:

Diese Integrationen bringen die Leistungsfähigkeit der Low-Code-Orchestrierung in die KI und die digitale Belegschaft der RPA-Bots. Dies wird es für Unternehmen einfacher machen, die menschliche Arbeitskraft zu erweitern, eine neue Ebene der Zusammenarbeit zwischen Menschen und Bots zu erschließen und die nächste Phase der digitalen Transformation einzuläuten.

Appian: Die Explosion der digitalen Transformation hat die IT unter enormen Druck gesetzt. Viele Unternehmen sehen in der steigenden Nachfrage nach neuen Anwendungen und technischen Integrationen den Hauptgrund für die aktuell herrschende Unruhe. Was sagen Sie dazu?

Gupta: Untersuchungen zeigen, dass diese Bedenken durchaus begründet sind. Die Sache ist die: Als punktuelle Lösungen können isolierte Anwendungen von der Stange durchaus gut funktionieren. Sie lassen sich jedoch nicht gut miteinander kombinieren. Andererseits dauert die Entwicklung eigener Lösungen zu lange. Und das ist ein Problem, wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Amtszeit von CIOs weniger als fünf Jahre beträgt, was kürzer ist als die Lebensdauer vieler Spezialentwicklungsprojekte.

Appian: Weniger als fünf Jahre?

Gupta: Ja, das ist richtig. Es lässt sich ganz einfach googlen. Aber die gute Nachricht ist, dass die Entwicklung einer Anwendung mit der modernen Low-Code-Plattform bald weniger Zeit in Anspruch nehmen wird, als über deren Entwicklung zu diskutieren. Das Problem ist, dass hervorragende Ideen in den unvermeidlichen Meetings, Prozessen und der Politik eines großen Unternehmens verloren gehen können.

 Low-Code bietet eine Möglichkeit, Ideen so schnell in Anwendungen umzusetzen, dass sich Auswirkungen auf das Unternehmen schneller als je zuvor erkennen lassen. Diese Plattformen definieren nicht nur den Software-Begriff neu, sie helfen Unternehmen auch, mit erstaunlicher Geschwindigkeit von der Programmierung zur Konfiguration zu gelangen.

Appian: Das ist wahrscheinlich der Grund, warum Low-Code-Lösungen auch bei etablierten IT-Managern immer beliebter zu werden scheinen.

Gupta: Denken Sie einmal darüber nach. Wenn Sie heute ein individuelles Haus bauen möchten, stellen Sie keinen Schreiner ein, um einige Bäume zu fällen und ein jahrelanges Hausbauprojekt zu starten.  Sie sitzen stattdessen vor einem Computer und wählen aus einer Reihe von attraktiven vorgefertigten Optionen aus, mit denen Sie bereits innerhalb weniger Monate in Ihr Traumhaus einziehen können. Die meisten Geschäftsanwendungen sind gar nicht so unterschiedlich. Leider beginnt die Entwicklung eigener Lösungen jedoch damit, die Dinge von Grund auf neu aufzusetzen, was zu lange dauert und am Ende oft nicht den Erwartungen entspricht.

CIOs haben jetzt eine bessere Option namens Low-Code-Entwicklung, die herkömmliche und langsamere Ansätze für die kundenspezifische Entwicklung übertrifft.

Appian: Versetzen Sie sich für die folgende Frage in Ihre Rolle als Entwickler. Fans nennen Low-Code-Entwicklung einen Produktivitätsmultiplikator. Einige Entwickler sehen Low-Code jedoch als Bedrohung – etwas, das den Wert und die Kreativität beim Schreiben von Code minimiert. Was sagen Sie dazu?

Gupta: Die Low-Code-Bewegung läuft bereits. Entwickler müssen das akzeptieren und lernen, wie sie die damit verbundenen Möglichkeiten ausschöpfen können. Ich glaube, dass Low-Code-Plattformen die Softwareentwicklung demokratisieren werden und damit auch Personen ohne Hintergrund in der Softwareentwicklung ein Zugang ermöglicht wird.

Glücklicherweise sind Entwickler an disruptive Entwicklungen gewöhnt. Von daher bin ich zuversichtlich, dass sie herausfinden werden, wie sie den Low-Code-Trend nutzen können.

Appian: Lassen Sie uns das Thema wechseln und über den Aufstieg der intelligenten Automatisierung sprechen. Wie Sie wissen, schwenken immer mehr Unternehmen auf digitale Arbeitsabläufe um, um so disruptiven Entwicklungen entgegenzuwirken. Hier gilt, dass Unternehmen, die ihre digitalen Belegschaft besser orchestrieren, einen Wettbewerbsvorteil gegenüber denen haben werden, die dies nicht tun. Wie fügt sich Low-Code in dieses Bild ein?

Gupta: Low-Code kommt hierbei eine zentrale Rolle zu. Eines ist klar: Unternehmen, die nicht auf den Low-Code-Zug aufspringen, werden große Schwierigkeiten bekommen.

Derzeit finden sich zahlreiche Unternehmen auf dem Friedhof der digitalen Disruption wieder, weil sie die Vorteile digitaler Transformationstrends wie Low-Code-Entwicklung nicht genutzt haben.

Appian: Wenn wir abschließend in die Zukunft blicken, was sind einige der großen Trends, die sich für 2020 und darüber hinaus auf Ihrem Radar befinden?

Gupta: Cloud-native Architekturen – sie revolutionieren die Art und Weise, wie Softwareunternehmen Anwendungen erstellen, testen, bereitstellen, überwachen und warten. Unternehmenssoftware muss auf diesen Plattformen neu erfunden werden, um im Zeitalter der digitalen Transformation erfolgreich zu bleiben.

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