Denken Sie wie ein CIO von heute: Bestimmen Sie, wo es mit der digitalen Transformation hingeht und erzielen Sie Geschäftsergebnisse (Teil 2)

Georgette Kiser, CIO, Carlyle Group

Dies ist der abschließende Teil unserer zweiteiligen Serie über die sich verändernde Rolle des Chief Information Officer (CIO) mit Georgette Kiser, CIO bei The Carlyle Group, eine globale Investmentgesellschaft, die über 200 Mrd. US-Dollar an Vermögen verwaltet. Lesen Sie den ersten Teil hier.

Erst kürzlich berichtete das CIO Magazine, dass die erstaunliche Entwicklung der digitalen Transformation die Rolle des CIO grundlegend verändert. Dabei liegt die größte Herausforderung für CIOs womöglich darin, mit diesem Wandel Schritt zu halten und zu strategischen Partnern zu werden. Sonst werden sie rasch von jemandem ersetzt, der genau diese Fähigkeiten mitbringt.

Möchte man als CIO erfolgreich sein, muss man bei der Wertschöpfung und der Wirkungskraft auf das Unternehmen mit Kollegen auf derselben Führungsebene mithalten können. Genau hier knüpft die abschließende Folge unseres anregenden Gesprächs mit Georgette Kiser, CIO bei The Carlyle Group, an.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen.

Appian: Ich möchte noch einmal auf etwas zu sprechen kommen, das Sie eben erwähnt haben – die intelligente Automatisierung. Dieses Thema ist zurzeit in aller Munde. Was ist Ihre Meinung zu den Technologien der intelligenten Automatisierung, also zu RPA, künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen? Ist es an der Zeit, auf den Zug der intelligenten Automatisierung aufzuspringen?

Kiser: Es kommt darauf an. Einige Riesen der Fertigungsindustrie investieren massiv in RPA. Ich allerdings bin davon überzeugt, dass bei RPA vor allem der Prozess wichtig ist.

Wir sind zwar ein großes Unternehmen, in unserer riesigen Branche jedoch eher einer der kleineren Player. Wir haben eine relativ geringe Anzahl an Prozessen und Arbeitsabläufen. Aus diesem Grund möchten wir unsere Prozesse zunächst optimieren und straffen, bevor wir sie mit RPA unterstützen.

Tatsache ist, dass verschiedene Unternehmen die Automatisierung eben auch unterschiedlich angehen. In der Fertigungsindustrie wird Software zum Beispiel eher selten eingesetzt. Stattdessen werden hier intelligente Roboter konzipiert – nochmal ein ganz neuer Ansatz für die Automatisierung.

Datennutzung als Schlüssel zum Erfolg

Appian: Wenn ich an Technologien wie RPA und künstliche Intelligenz denke, kommt mir direkt auch die wichtige Rolle der Daten in den Kopf. Denn Daten sind doch eigentlich der gemeinsame Nenner der intelligenten Automatisierung. Inwiefern werden neue Arten und Weisen der Datennutzung die Rolle des CIO heute und in der Zukunft beeinflussen?

Kiser: Wie man so schön sagt: „Data is King“ – Daten sind unentbehrlich. Viele Unternehmen werden sich zurzeit bewusst, dass ihr Wachstum stagniert, wenn sie Daten nicht speichern und klug nutzen. In der Vergangenheit hatte das mehr mit Kunst als mit Wissenschaft zu tun, doch heute ist das genau umgekehrt.

Appian: Worin sehen Sie die größte Herausforderung, wenn man den Widerstand gegen die Einführung von Trends wie der intelligenten Automatisierung überwinden möchte? Wo liegen Ihrer Meinung nach die größten Hürden für eine solche Einführung?

Kiser: Eine große Herausforderung ist sicherlich das Veränderungsmanagement. Hier muss man sich ganz klar auf die Bedürfnisse des Unternehmens konzentrieren. Man kann sich leicht in Diskussionen über Technologien verlieren, schließlich ist das unser Background. Doch wenn man an der Technologie als solcher hängen bleibt, und sich nicht weiterentwickelt, kann das für einen CIO ganz schön gefährlich werden.

Man muss sich bewusst sein, welche Bedürfnisse das Unternehmen hat. Das ist im Endeffekt das Wichtigste – der Schlüssel zum Erfolg eines jeden CIO.

Appian: Wenn Sie nun einen Blick in die Zukunft werfen; was sind Ihre Erwartungen für 2019 und darüber hinaus? Welche großen Trends haben Sie im Visier?

Kiser: Da steht für mich ganz klar die Datenanalyse im Vordergrund. Wo bringt sie uns hin? Wie setzen wir sie ein, wie verändert sie das Management unserer Unternehmen in der Zukunft?

Die Datenanalyse ist zwar nicht neu, aber sie entwickelt sich mit dem Entstehen neuer Technologien kontinuierlich weiter. Dies ist also ein Bereich, den ich für Carlyle und alle kleineren Beteiligungsunternehmen in unserem Besitz stets im Auge behalte. Wir möchten diese Unternehmen dabei unterstützen, mittels der Nutzung ihrer Daten Lösungen zu finden und letztendlich den Wert des ganzen Unternehmens zu steigern.

Außerdem bin ich der Meinung, dass Low-Code-Softwareentwicklung den Abteilungen IT, Betrieb und Geschäft eine schnellere Erstellung kundenorientierter Arbeitsabläufe und Anwendungen ermöglicht.

Mitarbeiter auf die Zukunft vorbereiten

Appian: Das führt uns direkt zum Thema intelligente Automatisierung zurück.  Zurzeit wird oft darüber diskutiert, welche Auswirkung die intelligente Automatisierung auf die traditionelle Belegschaft eines Unternehmens haben wird. Was sollten Unternehmen tun, um ihre Mitarbeiter auf die neuen Arbeitsstellen der Zukunft vorzubereiten?

Kiser: Vorhin haben wir bereits über die Herausforderungen gesprochen, die die digitale Transformation mit sich bringt. Die Umschulung der Belegschaft wird hierbei ein wichtiger Bestandteil sein. Wenn ich von Umschulung spreche, meine ich vor allem, dass sich die Denkweise der Mitarbeiter verändern muss und sie die Werkzeuge, die sie für ihre Arbeit nutzen, neu einzusetzen lernen.

Schauen wir uns die derzeitigen Hochschulabsolventen an, stellen wir immer wieder fest, dass viel zu wenige einen Ingenieurs- oder Informatikabschluss erwerben. Gerade im Gespräch mit Kollegen wird diese Qualifikationslücke oft thematisiert.

Technologie ist im Grunde das, was viele Unternehmen antreibt. Aus pädagogischer Sicht bedeutet das vor allem eins: Wir müssen uns dafür einsetzen, dass die nächste Generation an Arbeitskräften die Qualifikationen und Fähigkeiten erhält, die sie für die Arbeitsplätze der Zukunft auch tatsächlich benötigt. Dieses Thema bereitet mir als CIO Sorgen. Um mich herum kann ich zwar sehen, dass sich die Dinge verändern, doch sie verändern sich noch nicht schnell genug. Da bleibt einem nicht viel anderes übrig, als die künftigen Entwicklungen abzuwarten.

Auf einer lebenslangen Mission des Lernens

Appian: Unser Gespräch neigt sich dem Ende zu, doch ich möchte noch einmal betonen, wie fasziniert ich von Ihrem umfassenden Lebenslauf bin – Ihre Reise aus der Luft- und Raumfahrt über die Finanzdienstleistungsbranche bis hin zu Ihrer Stelle als CIO bei Carlyle ist wirklich beeindruckend. Wo liegt für Sie rückblickend der rote Faden, der sich durch Ihre umfangreiche Karriere zieht?

Kiser: In meinem Leben ging es immer darum, mich in Situationen zu begeben, in denen ich lerne. Deshalb habe ich mich auch so für Informatik und Mathematik interessiert. In der Mathematik dreht sich alles darum, Probleme zu lösen. Am Ende steht immer eine Antwort. Und doch wissen wir alle, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, das Problem zu lösen. Einige können das schneller als andere. Was mir am meisten Freude bereitet, ist herauszufinden, wie das Problem am effizientesten gelöst werden kann.

Wenn man sich meine Karriere – angefangen in der Luft- und Raumfahrt – als Ganzes anschaut, kann man sie tatsächlich als eine unglaubliche Reise beschreiben, die mich letztendlich in die Führungsposition als CIO von Carlyle führte.

Doch letztendlich geht es einfach darum, neugierig zu sein, immer weiter lernen zu wollen und Lösungen auszuarbeiten, die einen echten Geschäftswert schaffen.

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