Denken Sie wie ein CIO von heute: Bestimmen Sie wo es mit der digitalen Transformation hingeht und erzielen Sie Geschäftsergebnisse (Teil 1)

Georgette Kiser, CIO, Carlyle Group

(Dies ist der erste Teil einer zweiteiligen Serie über die sich verändernde Rolle des Chief Information Officer (CIO) mit Georgette Kiser, CIO bei The Carlyle Group, eine globale Investmentgesellschaft, die über 200 Mrd. US-Dollar an Vermögen verwaltet. Lesen Sie den zweiten Teil hier.)

In den Anfängen der Informatik bestand die digitale Ausrüstung einer Firma aus einer mysteriösen schwarzen Box im Backoffice, die irgendwie auf scheinbar magische Weise mit komplizierten Systemen verbunden war, die nur einige wenige Mitarbeiter bedienen konnten.

Der damalige IT-Leiter, heute Chief Information Officer (CIO), kümmerte sich hauptsächlich darum, dass die schwarze Box einwandfrei funktionierte. Heute sieht die Sache ein wenig anders aus. Digitale Technologien treiben nun die überwiegende Mehrheit der Geschäftsaktivitäten an. Der Einfluss von IT auf die Geschäftsaktivitäten ist heute sogar so groß, dass:

Bis 2020 80 % der IT-Führungskräfte aufgrund von KPIs und anderen Unternehmenskennzahlen entlohnt werden, die messen, wie wirksam die Informationstechnik die Geschäftsleistung und das Wachstum steigert. Für die Lohnkalkulation nimmt die Effizienz der IT-Abläufe also immer mehr einen zweitrangigen Stellenwert ein.

Dies wird in einer vor Kurzem veröffentlichten Studie von IDC dargelegt.

Lange Rede kurzer Sinn: Wenn Sie in Ihrer Rolle als CIO erfolgreich sein wollen, müssen Sie unter anderem:

  • Den bestmöglichen Ertrag aus Ihren technologischen Investitionen erzielen
  • Die Geschäftsstrategie mehr als je zuvor beeinflussen
  • Partnerschaften mit anderen Führungskräften eingehen, um Unternehmensziele zu erreichen

Die perfekte Überleitung zu unserem Interview mit Georgette Kiser.

Kiser ist Chief Information Officer bei The Carlyle Group, eine globale Investmentgesellschaft, die über 200 Mrd. US-Dollar an Vermögen verwaltet. In ihrer Rolle ist sie vor allem für Global Technology and Solutions (GTS) zuständig und entwickelt und fördert dabei die IT-Strategie im gesamten Unternehmen.

In diesem Interview in der Serie Digital Masters gibt Kiser viel nützliches Wissen weiter. Wir lernen etwa, wie wichtig es für einen CIO ist, das Meiste aus IT herauszuholen, um sich als echten Geschäftspartner für die Kollegen auf der Vorstandsebene zu positionieren. Sie gibt auch wertvolle Einblicke in die Rolle von CIOs im Zeitalter der digitalen Transformation.

Viel Spaß beim Lesen.

Appian: Im Rahmen dieser Serie haben wir mit Vordenkern der Branche gesprochen. Viele unter ihnen sagen, dass so einiges, das heute mit digitaler Transformation im Zusammenhang steht, nichts mit Technologie an sich zu tun hat, sondern mit Veränderungen in der Unternehmenskultur. Was sagen Sie dazu?

Kiser: In der Vergangenheit adoptierten CIOs oft den „break-fix“-Ansatz, was bedeutete, dass Informatiker nur bei Problemen intervenierten. Und das Unternehmen diktierte der IT-Abteilung mehr oder weniger, was es zu tun gab. IT nimmt heute einen viel höheren Stellenwert ein: Es wurde zu einer Art Druckmittel für Unternehmen für mehr Wachstum und Risikomanagement.

Appian: Also könnte man heute eher von einer Partnerschaft sprechen?

Kiser: Ja, eine Partnerschaft, bei der der CIO zwingend gute Unternehmenskenntnisse haben und ein strategischer Geschäftspartner für seine Kollegen auf Vorstandsebene sein muss.

In der heutigen Zeit muss ein CIO verstehen, welche technologischen Mechanismen zu Verbesserungen in den unterschiedlichen Unternehmensbereichen führen.

Veränderungen herbeiführen, verwalten und anführen – die Rolle eines CIOs

Appian: Was halten Sie vom Argument, dass ein CIO eine leitende Rolle im Unternehmen einnehmen sollte?

Kiser: Ich betreue und begleite viele Menschen, die eine CIO-Position anstreben. Und ich sage ihnen allen, dass ein CIO heute zu den Führungskräften gehört. Es geht nicht nur darum, ein herausragender Techniker oder Entwickler zu sein, es ist eine anspruchsvolle Führungsposition.

Ein CIO beeinflusst, managt und leitet seine Mitarbeiter. Die Anforderungen an den CIO von heute sind also um einiges komplexer als früher.

Appian: Wie sind Sie selbst mit dieser Veränderung umgegangen? Wie war es für Sie, als Sie zum ersten Mal die CIO-Rolle einnahmen?

Kiser: Als ich bei Carlyle anfing, wollte ich mich zunächst all den Aufgaben im Zusammenhang mit der Technologie widmen.

Ich habe aber dann gemerkt, dass es bei der CIO-Rolle eher darum geht, mit Menschen zusammenzuarbeiten, sie zu leiten und ihre Bedürfnisse zu verstehen. Alles sehr wichtige Aspekte der CIO-Rolle.

Appian: Also, um als strategischer Denker wahrgenommen zu werden, als jemand, der einen Mehrwert für das Unternehmen generiert?

Digitale Transformation meistern – mit Change Management

Kiser: Ja genau, das ist super wichtig. Aber es geht (als CIO) auch darum, den CEO, CFO und andere Führungskräfte über den Mehrwert, den Technologie für das Unternehmen generieren kann, zu informieren.

Appian: Was uns zurück zum Thema digitale Transformation führt. In der Rolle des CIO: Wie unterstützen Sie ein Unternehmen dabei, sich an die erstaunlich schnellen Veränderungen hinsichtlich digitaler Transformation anzupassen? Weiter Frage ich mich, wie ich eine Strategie zur digitalen Transformation umsetzen kann, ohne dabei die in meinem Unternehmen herrschende Kultur zu bedrohen.

Kiser: Das ist eine große Herausforderung … eine Herausforderung für das Change Management … der Grund dafür, warum ich Change Management ganz am Anfang einführte, als ich bei Carlyle anfing.

Viele Unternehmen realisieren nun, dass es für eine erfolgreiche digitale Transformation Change Management braucht.

Digitale Transformation – nicht nur ein Modewort

Appian: Leider herrscht ein verbreiteter Irrglaube, dass das Management von Veränderungen eine „soft issue“ ist – eine Nebensache.

Kiser: Ganz im Gegenteil, es ist eine sehr große Herausforderung. Es geht darum, einen kulturellen Wandel herbeizuführen …, Mitarbeitern neue Fähigkeiten zu vermitteln …, Menschen zu zeigen, wie sie mit der neuen Generation, den Millennials, die jetzt in die Unternehmen strömen, gekonnt umgehen können. Diese neue Generation kennt sich mit Technik aus. Und Unternehmen mit traditionellen Strukturen müssen neue Wege finden, ihre Bedürfnisse zu erfüllen.

Die gute Nachricht ist, dass die Transformation der Belegschaft die Führungskräfte im oberen Management näher zusammenbringt. So sind alle im Unternehmen an den betrieblichen und kulturellen Aspekten der digitalen Transformation beteiligt.

Appian: Sie haben die digitale Transformation erwähnt. Viele sind davon überzeugt, dass es sich hierbei um ein weiteres Modewort handelt. Andere wiederum sehen es als eine existenzielle Herausforderung an. Was halten Sie von der digitalen Transformation? Wie wichtig ist sie?

Kiser: Die digitale Transformation ist eine Revolution. Es geht darum, Technologie in so ziemlich alle Prozesse zu integrieren, die wir ausführen.

Appian: Skeptiker sagen aber es sei einfach wieder ein neues Modewort.

Kiser: Es ist nicht nur ein Modewort. Es handelt sich dabei um einen gesellschaftlichen Wandel, der sich jetzt vollzieht. Es geht darum, wie wir Nutzen aus Technologie ziehen, wie wir sie benutzen, um unser Leben besser zu machen. Und darauf muss man sich vorbereiten. Das Problem ist, dass man nur eine beschränkte Anzahl an Mechanismen zur Verfügung hat, um ein Unternehmen profitabel zu machen. Sie haben die Mitarbeiter, die Technologie, den Vertrieb und das Marketing. Weiter können Sie beeinflussen, wie viel sie in diese Aktivitäten investieren.

Technologie ist ein wichtiger Teil der Gewinngleichung. Aber es ist nicht nur die Technologie an sich. Wenn Sie lernen, Menschen durch die digitale Transformation zu leiten und diese gewinnbringend zu nutzen, schlägt sich das positiv auf Ihre Unternehmensziele aus.

Mehrwert für die Kunden schaffen – wesentlich für den Erfolg eines CIOs

Appian: Meinen Sie mit den kulturellen Aspekten der digitalen Transformation also diesen Bildungs- und Lernprozess?

Kiser: Vor Jahren als ich zum ersten Mal von digitaler Transformation hörte, nahm ich das Konzept auseinander und studierte es, um herauszufinden, ob es tatsächlich nur ein Modewort ist. So wie ich es verstehe, ist digitale Transformation ein riesiger kultureller Wandel.

Es geht darum, dass die Informatiker in agiler Softwareentwicklung geschult werden und darum, dass die anderen Mitarbeiter verstehen, um was es dabei geht, denn ein CIO muss beide Seiten, Business und IT, zusammenbringen, um Software agil zu entwickeln, das Kundenerlebnis wirklich zu verstehen und die besten Lösungen voranzutreiben.

Alle im Unternehmen sollten Teil des Prozesses sein. Dieser Eingriff in die Unternehmenskultur ist äußerst wichtig, wenn Sie Mehrwert aus Ihrem digitalen Transformationsprozess ziehen wollen.

Appian: Wir haben darüber gesprochen, Mehrwert für die Kunden zu schaffen. Was hat es mit diesem Konzept auf sich? Was für eine Rolle spielt es bei der Investition in aufkommende Technologien?

Kiser:

Mehrwert für die Kunden zu schaffen, hat höchste Priorität. Wenn, was Sie vorhaben, keinen Mehrwert für Ihre Kunden bringt, sollten Sie es nicht tun.

Das gilt auch für RPA (Robotic Process Automation) und KI (künstliche Intelligenz) sowie intelligente Automatisierung. RPA ist im Grunde genommen Software, die Prozesse automatisiert. Ich predige immer, dass Prozesse wichtiger sind als Technologien – in jedem Fall. Wenn der Prozess oder die Daten fehlerhaft sind, dann nutzt uns die Technologie nur wenig.

Der Prozess ist sehr wichtig. Appian ist aus genau diesem Grund ein einzigartiges Produkt. Es zwingt dich, ausführlich auf dem Prozessniveau zu arbeiten. Appian stellt sicher, dass die Prozesse korrekt sind, bevor es sie automatisiert.

(Schalten Sie nächste Woche wieder ein für die letzte Folge unserer zweiteiligen Serie zur sich verändernden Rolle des CIOs – mit Georgette Kiser, CIO bei The Carlyle Group.)

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