The Rev. Martin Luther King, Faith in the Future and 5 Predictions for the Next Decade

Um Martin Luther King zu paraphrasieren: Eine Organisation sollte nicht daran gemessen werden, wie sie in Zeiten der Bequemlichkeit und des Komforts agiert, sondern wie sie in Zeiten der Herausforderung und des Wandels handelt.

Kings Aussage gilt auch für geschäftliche Transformationsprozesse in einem turbulenten neuen Jahrzehnt technologischer, kultureller und makroökonomischer Trends. Große Anführer verändern die Kultur und Kultur verändert uns. Es ist erwähnenswert, dass David Solomon, CEO von Goldman Sachs kürzlich angekündigt hat, dass seine Investmentbank Unternehmen nur dann an die Börse bringen wird, wenn sie mindestens ein „diverses“ Vorstandsmitglied haben. Nicht nur, weil es moralisch das Richtige ist, sondern weil es eine Gelegenheit bietet, den Markt voranzutreiben.

Ganz zu schweigen davon, dass in den letzten vier Jahren die US-Unternehmen, die mindestens ein weibliches Vorstandsmitglied hatten, bei ihrem Börsengang „erheblich besser“ abgeschnitten haben als Unternehmen ohne, so Solomon.

Manchmal braucht es Visionäre wie King und Solomon, um einen Trend zu beginnen, der uns wachrüttelt und vorwärts bringt. Vorherzusagen, welche Trends die Zukunft prägen und uns am meisten beeinflussen werden, ist das reinste Glücksspiel. Auf Grundlage der Prognosen unserer renommierten Visionäre in unseren Digital Masters Blogs von 2019, werden wir es dennoch versuchen.

1.  Der Aufstieg von Prognosemaschinen

Wenn KI-Experte und Bestsellerautor Avi Goldfarb über die erstaunliche Evolution von künstlicher Intelligenz spricht, spricht er darüber, wie Technologie den Entscheidungsprozess revolutioniert hat und wie Maschinen innerhalb des letzten Jahrzehnts so viel besser darin geworden sind, Vorhersagen zu treffen, Unsicherheiten zu reduzieren und Informationslücken zu schließen.

„Wir wollten verstehen, was diese aufregende neue Technologie (KI) bedeutet“, sagt Goldfarb, „also haben wir sie vom ökonomischen Standpunkt aus betrachtet.“

„Und sobald wir erkannten, dass es hier nur um Vorhersagen geht, konnten wir die Bedeutung der Technologie neu definieren, nämlich als eine Möglichkeit für bessere, schnellere und billigere Vorhersagen. Und sobald man das verstanden hat, beginnt man alle Konsequenzen zu sehen.“

– Avi Goldfarb

In der Geschäftswelt gibt es immer große Unsicherheiten, sagt Goldfarb. Viele Entscheidungen, die man trifft, sind im Grunde Kompromisse, da man nie genau weiß, was passieren wird. Er führt außerdem an, dass Unternehmen alles Mögliche tun, um dieser Unsicherheit Herr zu werden. So entscheiden sich viele dazu, keine Risiken einzugehen, um auf der sicheren Seite zu sein.

„Aber wenn man gute Vorhersagen darüber treffen kann, was in Zukunft passieren wird“, sagt Goldfarb, „dann kann man viel bessere Entscheidungen treffen. Manche sehen dies als Gelegenheit, Kosten einzusparen. Ich will nicht sagen, dass der Gedanke, Personalkosten einzusparen, falsch ist. Mit der Verbreitung intelligenter Technologie wird man bald für viele Aufgaben Maschinen anstelle von Menschen einsetzen. Allerdings werden sich im Laufe dieses Prozesses auch neue Gelegenheiten ergeben, um Organisationsabläufe und den Kundenservice zu verbessern.“

„Die Zukunft der Arbeit löst nach wie vor große Besorgnis aus“, sagt Goldfarb. „Aber Arbeitsplätze sind weniger das Problem als wirtschaftliche Ungerechtigkeit. Heute haben wir mehr Freizeit. Wir haben die 40‑Stunden‑Woche. Wir haben eine längere Schulzeit und starten später in die Arbeitswelt. Wir können in Rente gehen. Wir können uns Urlaub nehmen. Irgendetwas davon als schlecht zu bezeichnen, dürfte schwierig werden. Der springende Punkt ist also nicht: Werden wir Jobs haben? Vielmehr ist es die Frage: Werden diese Jobs gute Jobs sein? Und werden die Vorteile von KI so verteilt, dass die Menschen es als gerecht erachten? Und das ist eine viel schwierigere Frage.“

2.  Technologische Integration formt die Automatisierung

Es ist schwierig, mit Sicherheit vorherzusagen, wie die digitale Umgebung in 10 Jahren aussehen wird. Wird der Großteil der Arbeit automatisiert sein? Und falls ja, was werden wir im Angesicht dieses Bruchs in der Belegschaft tun? Das alles kratzt nur an der Oberfläche der Faktoren, die die Automatisierungsagenda auf lange Sicht formen werden.

„Ich erwarte nicht viel, was neue Technologien angeht“, sagt Neil Ward-Dutton (@neilwd), Vizepräsident, KI und Intelligente Prozessautomatisierung, European Practices, IDC. „Wo ich allerdings sehr großes Potenzial sehe, ist die Weiterentwicklung bereits existierender Technologien. Wir können also auf dem Gebiet der Interoperabilität und technologischer Konvergenz größere Entwicklungen erwarten, wenn es darum geht, intelligente Automatisierung voranzutreiben. Und das schließt RPA und Case Management mit ein, sagt Ward-Dutton, der zu den erfahrensten und angesehensten strategischen Technologieberatern und Branchenanalysten Europas zählt.

„Ich bin der Meinung, dass wir immer mehr Situationen erleben werden, in denen diese Technologien zusammenarbeiten“, sagt Ward-Dutton. „Ich denke, dass man auch einen größeren Fokus auf die ‚Verpackung‘ von Technologie- und Management-Tools, sowie Bericht- und Analyse-Tools richten wird. Die große Herausforderung dabei ist, eine ganzheitliche Ansicht zu erreichen, die uns auf integrierte Weise zeigt, wie die einzelnen Automatisierungsprozesse ineinandergreifen. In den kommenden Jahren werden wir einen stärkeren Fokus auf diese technologische Integration sehen.“

3.  Datenbasiertes Experimentieren zahlt sich aus

Harvard‑Professor Stefan Thomke ist der Autor des Buchs Experimentation Works: The Surprising Power of Business Experiments. Thomke ist der Meinung, dass Experimentieren heute und in Zukunft Innovationen vorantreibt und es Unternehmen im Wettbewerb teuer zu stehen kommen kann, wenn sie davon keinen Gebrauch machen. Die Zukunft, sagt er, gehört Unternehmen, die auf virtuelle, datenbasierte Experimente anstatt auf Erfahrung und Bauchgefühl allein setzen. Er sagt, dass der Old-School-Ansatz des Bauchgefühls für die Innovation nicht mehr reichen wird. Die erfolgreichsten Organisationen führen bereits zahlreiche digitale, kontrollierte Experimente durch, mit denen Millionen von Benutzern schneller als jemals zuvor angesprochen werden können.

„Viele dieser Unternehmen“, sagt Thomke, „haben entdeckt, dass ein Forschungsansatz, bei dem ‚mit allem‘ experimentiert wird, sich mehr lohnt und einen beträchtlichen Wettbewerbsvorteil mit sich bringt.“ Die Frage ist: Was können Sie tun, damit Ihr Unternehmen von diesem Experimentiertrend profitiert?

Laut Thomke ist der beste Ansatzpunkt die Schaffung eines „experimentierfreudigen Unternehmens“, welches das Kunststück des Testens beherrscht und die Disziplin aufbringt, Experimente in den Mittelpunkt des Innovationsprozesses zu stellen.

„In der Vergangenheit“, sagt Thomke, „konnte es bei einem Unternehmen Jahre dauern, solch einen bahnbrechenden Wandel durchzuführen. Doch heutzutage können digitale Führungskräfte das bewerkstelligen, indem sie die Geschwindigkeit und das geballte Potenzial benutzerdefinierter Software mit der Genauigkeit von kontrollierten Experimenten vereinen. Ob es nun darum geht, das Kundenerlebnis zu verbessern oder neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln: Selbst die erfahrensten Manager liegen, ob ihnen das gefällt oder nicht, oft (oder sogar meistens) falsch.“

Thomke zufolge ist die große Frage, wie wir diese Technologien vereinen und wie sie dabei die Art und Weise, wie Unternehmen Geschäfte machen, verändern werden.

„Durch die technologischen Trends, die wir im Moment sehen –darunter KI, Big Data, digitale Plattformen und die Fähigkeit, Kunden schneller denn je zu erreichen –, werden Experimente nur noch mehr an Bedeutung gewinnen.“

4.  Vorsicht vor dem silbernen Tsunami

Vergessen Sie die Aufregung um die Übervölkerung des Planeten. Tatsächlich gehen uns die Leute schneller aus, als wir sie ersetzen können. Das behaupten die Autoren von „Empty Planet“, einem neuen Buch des kanadischen Vordenkers Darrell Bricker [@darrellbricker] und des Journalisten John Ibbitson [@JohnIbbitson].

In den USA leben heute über eine Million Kinder weniger als zu Beginn des Jahrzehnts. Darüber hinaus haben Amerikaner weniger Kinder und bekommen sie später. Das Gleiche gilt für die gesamte Weltbevölkerung. Das Fazit: Wenn sich dieser demografische Trend fortsetzt, steht den Unternehmen ein ziemlicher Schock bevor.

Studien zeigen, dass bis 2034 zum ersten Mal in der Geschichte der USA die Bevölkerungsgruppe 65+ die Gruppe U18 übertreffen wird. Das bietet Unternehmen eine riesige Chance, die Technologien entwickeln, die älteren Nutzern ein längeres Leben mit hoher Lebensqualität, Unabhängigkeit und sozialen Bindungen ermöglichen. Mit anderen Worten ist die alternde Bevölkerung der Wachstumsmarkt der Zukunft.

Das Zweite, mit dem wir uns befassen müssen, sagt Bricker, ist eine Wirtschaft, die nicht länger von den Konsummustern der Vergangenheiten getragen wird. Die Bevölkerung wird immer älter und alternde Verbraucher konsumieren nicht auf die selbe Weise wie jüngere Verbraucher. Das heißt, jetzt ist wahrscheinlich ein guter Zeitpunkt, um Ihr Geschäftsmodell an diese neue Realität anzupassen.

„Wenn wir über Technologie nachdenken, warum denken wir dabei immer nur an Technologie für junge Menschen? Warum denken wir nicht über Technologie für ältere Menschen nach?“

– Darrell Bricker

„Sie (ältere Verbraucher) sind bereit, dafür zu zahlen, und sie wollen so lange wie möglich ein unabhängiges Leben führen. Welche Technologien sollten wir also entwickeln, um das leichter zu machen?“

5.  Abkopplung der Wertschöpfungskette

Die gängige Meinung lautet, dass technologischer Fortschritt digitalen Disruptionen Tür und Tor öffnet. Aber in den meisten Fällen liegen diese Disruptionen in der Abkopplung bestimmter Aktivitäten in der Kundenwertschöpfungskette begründet. So sagt Thales Teixeira, Professor an der Harvard Business School [@ThalesHBS]. In Zukunft, so Teixeira, wird dieses Abkopplungsphänomen größere Disruptionen denn je hervorrufen.

Die Kundenwertschöpfungskette beinhaltet alle Maßnahmen, mit denen Unternehmen darauf abzielen, die Bedürfnisse und Erwartungen ihrer Kunden zu erfüllen. „In der Vergangenheit“, sagt Teixeira, „kontrollierten die Unternehmen die Maßnahmen in dieser Wertschöpfungskette. Doch Disruptoren greifen immer öfter bestimmte Bereiche des Kundenerlebnisses an. Ich sehe, dass Kunden versuchen ihre eigenen Kosten zu reduzieren. Und ich rede nicht nur von den finanziellen Kosten beim Einkauf. Ich meine Geld, Zeit und Aufwand. Das sind die drei Währungen, die wir als Einzelpersonen in der Tasche haben. Wenn also ein Disruptor auftaucht und verspricht, es schneller, günstiger und einfacher zu machen, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu erhalten, werden sich die Menschen natürlich für diesen Disruptor entscheiden.“

Teixeira sagt, dass Disruptoren manchmal von Technologie Gebrauch machen. Aber in Wirklichkeit konzentrieren sie sich auf die Verbesserung eines bestimmten Schritts in der Kundenwertschöpfungskette. Und das zeigt, wie Markttransformation anfängt.

Letztendlich geht es doch darum: Es ist verlockend, Zukunftsprognosen unter dem Mikroskop zu betrachten. Für die Bewertung der Auswirkungen, die Trends auf unsere Kultur und die Umwelt haben, ist es allerdings sehr viel besser, dafür ein Teleskop zu benutzen.

Um mit den Worten Martin Luther Kings aus der Rede „Wie geht es jetzt weiter?“ zu enden:

„Die Straße, die vor uns liegt, wird auch mal steinig sein. Rückschläge sind unvermeidbar. Und in manchen Momenten wird Hoffnung in Verzweiflung umschlagen. Doch wir müssen dem kommenden Jahrzehnt mit unerschütterlicher Zuversicht in die Zukunft entgegengehen.“

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