BPM macht den Weg frei für die Unternehmensautomatisierung (Teil 1)

Neil Ward-Dutton, Forschungsleiter, MWD Advisors
Neil Ward-Dutton, Forschungsleiter, MWD Advisors

(Dies ist der erste Teil unserer zweiteiligen Reihe zur intelligenten Automatisierung mit Forschungsleiter und Mitgründer von MWD Advisors, Neil Ward-Dutton (@neilwd. Neil Ward-Dutton zählt zu den erfahrensten Branchenanalysten und renommiertesten Beratern für strategische Technologie in Europa.


Wenn man „intelligente Automatisierung“ (IA) in seiner Suchleiste eingibt, erhält man unzählige Suchergebnisse, die das nahezu explosionsartige Wachstum von IA in den kommenden Jahren vorhersagen.

Bereits heute liegen die Ausgaben großer Unternehmen für IA-Technologien, wie z. B. robotergestützte Prozesse, künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und weitere, bei etwa 12,4 Milliarden Dollar pro Jahr.

Dabei wird erwartet, dass sich diese Ausgaben bis 2025 auf ganze 232 Milliarden Dollar (KPMG) erhöhen werden.

In der Zwischenzeit setzen besonders erfolgreiche Unternehmen IA bereits ein, um ihre Geschäftsmodelle so anzupassen, dass sie einen schnelleren und besseren Kundenservice bereitstellen können.

Andere binden IA-Technologien ein, um mehr Transparenz über ihre Vertriebskanäle und Betriebsmodelle sowie alltägliche Geschäftsabläufe zu erhalten.

Wenn Sie die Implementierung eines IA-Pilotprojekts in einen Ihrer Geschäftsbereiche also immer noch vor sich herschieben, ist es nun eindeutig an der Zeit, aktiv zu werden.

Um es ganz deutlich zu sagen: Intelligente Technologien verändern unsere Arbeitsweise und unseren Arbeitsplatz schneller als jemals zuvor.

Daher ist es wichtig, Ihre Automatisierungsstrategie ständig zu überprüfen und sie an der Art und Weise auszurichten, wie bestimmte Arbeitsprozesse in Ihrem Unternehmen ausgeführt werden.

In dieser Folge von „Digital Trailblazers“ verrät uns Neil Ward-Dutton (@neilwd) seine Antworten auf folgende Fragen:

  • Warum ist es so wichtig, IA gerade JETZT zu nutzen?
  • Wie und aus welchem Grund hat sich die Wirtschaftlichkeit intelligenter Automatisierung verändert?
  • Warum ist BPM heute wichtiger als je zuvor?

Ward-Dutton ist Forschungsleiter bei MWD Advisors und zählt zu den renommiertesten Analysten der IT-Branche in Europa.Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen.

Warum intelligente Automatisierung so wichtig ist

Appian: Sie haben sich ausführlich mit der Entwicklung von BPM und intelligenter Automatisierung befasst. Welche Auswirkungen hat intelligente Automatisierung auf ein Unternehmen, und warum sollten sich Führungskräfte auf Vorstandsebene mit ihr auseinandersetzen?Ward-Dutton: Im Grunde geht es bei der intelligenten Automatisierung um zwei Bereiche: Kosten und Reichweite. Diese beiden Elemente sind eng miteinander verknüpft.

Die Automatisierung selbst ist nichts Neues. Im Gegenteil – seit etwa 200 Jahren ist sie ein fester Bestandteil der Unternehmenswelt. Sie existiert bereits seit der Einführung von Fertigungsprozessen während der industriellen Revolution.

Doch in den letzten drei Jahren haben sich Automatisierungstechnologien dahingehend entwickelt, dass sie verfügbarer geworden sind und dabei helfen, die Effizienzsteigerung, Qualität, Compliance mit gesetzlichen Vorschriften, sowie vielzählige weitere administrative Prozesse im gesamten Unternehmen zu optimieren.

„Da sich die Wirtschaft verändert hat, gibt es deutlich mehr Möglichkeiten, diese Art von Arbeit zu automatisieren.“

Weg frei für die Unternehmensautomatisierung

Appian: Könnten Sie das näher erläutern?

Ward-Dutton: Wenn wir nur fünf oder zehn Jahre zurückschauen, haben wir anspruchsvolle BPM Software und Integrationstechnologien, mit deren Hilfe Prozesse, wie z. B. die Finanzverarbeitung in Banken oder die Bereitstellung von Diensten in Telekommunikationsnetzen, automatisiert wurden.

Das waren große, komplizierte Herausforderungen, an denen wichtiger Mehrwert hing.

„In letzter Zeit sind jedoch neue Taktiken und Technologien verfügbar geworden, die es uns ermöglichen, viele andere Arten von Arbeit zu automatisieren.“

Das ist im Grunde das, worum es bei der intelligenten Automatisierung geht – ohne jetzt zu spezifisch zu werden.

Es geht darum, Eintrittsbarrieren zu reduzieren, denn die Automatisierung von Prozessen führt zu Kosteneinsparungen.

Gerüchte über das Ende des Geschäftsprozessmanagements sind voreilig

Appian: Und wie fügt sich BPM in dieses Bild ein? Ist das Geschäftsprozessmanagement im Zeitalter der digitalen Transformation überhaupt noch relevant?

Ward-Dutton: Absolut, BPM hat weiterhin große Relevanz. Ich habe einige Gerüchte darüber gehört, dass das BPM „tot sei“. Vor etwa 10 Jahren hat BMP einen riesigen Hype ausgelöst. Und dieser Hype ist heute vorbei. Doch wie ich schon sagte: Wir haben das frühe BPM vor allem dazu eingesetzt, große, komplizierte Probleme in Angriff zu nehmen.

Und wenn man sich die Technologie anschaut, mit der diese damalige Innovationswelle „BPM“ vorangetrieben wurde, kann man feststellen, dass genau diese Technologie auch heute noch existiert. Der Unterschied: Heute ist ihre Nutzung dank Cloud-basierter Technologien einfacher und günstiger.

Auch wenn wir das Geschäftsprozessmanagement alleine betrachten – seine Fähigkeit, ein Arbeitsablaufsystem zu erstellen und es bereitzustellen, und mittels Analytics Kundeninteraktionen zu verbessern und Arbeitsabläufe zu koordinieren – wird deutlich, dass es tatsächlich nie zuvor wichtiger war als heute.“https://youtu.be/J1jfEKW4sfE

Appian: Wir sehen auch, dass BPM auf eine breitere Vielfalt von Unternehmensproblemen angewendet wird.Ward-Dutton: Das stimmt. Wir können feststellen, dass BPM nicht mehr nur auf komplexe Situationen im Backoffice angewendet wird. Im Gegenteil, es wird inzwischen für die Lösung von weniger umfangreiche Problemen, beispielsweise auf Abteilungsebene, eingesetzt. Das zeigt deutlich, warum BPM weiterhin so wichtig ist.

Die Technologie ermöglicht eine effektive Arbeitskoordination zwischen Teams und Abteilungen oder sogar innerhalb der gesamten Lieferkette.

„Auch wenn man sich andere beliebte Automatisierungstechnologien ansieht – wie z. B. RPA, künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und Entscheidungsmanagement – wird deutlich, dass BPM bei all diesen Technologien eine führende Position als „Dirigent“ innehat. “

Das Rückgrat der intelligenten Automatisierung

Appian: Sie haben BPM auch schon mal als eine Art „Rückgrat“ beschrieben. Was meinen Sie damit?

Ward-Dutton: Denken Sie an all die Bots, die überall auf der Welt von Unternehmen genutzt werden. Stellen Sie sich diese Bots als digitale Belegschaft vor. Diese Belegschaft braucht natürlich einen Leiter, der sie organisiert. Doch neben diesem Leiter benötigen Sie ein Rückgrat, eine Technologie, die das große Ganze zu koordinieren vermag. Und genau hier spielt BPM eine wichtige Rolle.

(Lesen Sie hier Teil 2)

 

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