SIEBEN Mythen über digitale Transformation

Früher war der Unternehmenserfolg garantiert, wenn ein Produkt oder eine Dienstleistung schrittweise besser und günstiger wurde. Aber diese Zeiten sind lang vorbei. In dieser Blog-Ausgabe werden wir auf sieben Fehlannahmen über Unternehmensentwicklung eingehen.Denn eines ist klar: In der Digitalwirtschaft stehen die Unternehmen unter ständigem Druck, mit überhöhten Erwartungen und schnelllebigen digitalen Trends Schritt zu halten.

Das erklärt vielleicht, warum in einer aktuellen LTM-Umfrage 87 % der Global-2000-Unternehmen angaben, dass sie im Jahr 2017 Projekte zur digitalen Transformation planen, und 54 % der Teilnehmer digitale Transformation als ihre größte Unternehmenspriorität einstuften.

Digitale Anführer überholen Nachzügler bei 3 Finanzwerten – DiagrammWir decken einige weit verbreitete falsche Vorstellungen der digitalen Transformation auf und erklären, warum man sie nicht glauben sollte.

Mythos Nr. 1: Die digitale Transformation ist eine technologische Herausforderung.

Letztes Jahr berichtete Forbes, dass 84 % aller Pläne für digitale Transformation scheiterten. Experten liefern verschiedene Erklärungsansätze für diese hohe Zahl. Aber in zwei Sachen sind sich die meisten einig. Erstens: Das Schwierige bei der digitalen Transformation ist es, die Unternehmen dazu zu bringen, sich zu verändern. Zweitens: Zu Beginn des Transformationsprozesses sollte die Unternehmensstrategie an die digitale Wirtschaft angepasst werden.„Sie müssen zunächst eine zukunftsweisende Perspektive für Ihre Branche entwickeln“, sagt David Rogers, Autor von „Digitale Transformation. Das Playbook. Wie Sie Ihr Unternehmen erfolgreich in das digitale Zeitalter führen und die digitale Disruption meistern.“

„Denken Sie darüber nach, welchen Einfluss neue Technologien, wie Robotic Process Automation und künstliche Intelligenz auf Ihre Branche haben werden“, so Rogers. „Entwickeln Sie darauf aufbauend Strategien dafür, wie Ihr Unternehmen diese Trends bestmöglich nutzen kann, um auch in dieser neuen Welt vorne mitzuspielen.“

„Entwickeln Sie also zuerst eine Strategie“, empfiehlt Rogers. „Danach müssen Sie herausfinden, mit welchen Technologien Sie diese Strategien in Ihrem Unternehmen umsetzen können.“

Aber der eigentliche Wert der digitalen Transformation liegt darin, die Mitarbeiter dazu zu bringen, anders zu arbeiten als zuvor und ihnen die Möglichkeit zu geben, abteilungsübergreifend tätig zu werden – was in der Vergangenheit nicht möglich war.„Ich denke gern in Dimensionen“, sagte Vijay Gurbaxani kürzlich in einem Interview für unseren Blog auf Appian.com. Er ist der Gründungsdirektor des Zentrums für Digitale Transformation an der Universität von Kalifornien, Irvine. (Lesen Sie das gesamte Interview mit Gurbaxani aus der Reihe Digital Trailblazers über die Fünf Dimensionen der digitalen Transformation, die alle CXOs kennen sollten)

„Viele Unternehmen denken, dass die digitale Transformation gleichbedeutend mit einer Marketingmaßnahme oder eine Initiative im Bereich Kundenerlebnis ist oder dass man einzelne digitale Bausteine hier oder da einbringen kann.

Doch die digitale Transformation zielt darauf ab, die gesamten Geschäftsprozesse neu auszurichten“, erklärt Gurbaxani.

Letztendlich geht es doch darum: Sehen Sie die digitale Transformation als eine Vision und die Technologie als einen Baustein, den Sie für diese Transformation nutzen können, und nicht als einen Selbstzweck.

Mythos Nr. 2: Man sollte sich auf die Optimierung der Geschäftsprozesse konzentrieren.

Sie sollten lieber Ihr gesamtes Geschäftsmodell überdenken, statt nur die Prozesse zu optimieren.

Es ist nicht falsch, Prozesse schrittweise zu verändern.

Es ist so, dass 55 % aller Unternehmen Geschäftsprozessmanagement (BPM) gutheißen, aber laut Forschungsergebnissen von AIIM Market Intelligence 48 % angeben, damit nur mehr oder weniger vertraut zu sein oder keine klare Vorstellung davon zu haben.

Es geht nur darum, dass die Prozessoptimierung nicht den wirklich großen Veränderungen im Weg stehen darf. „Die digitale Transformation ist wie die Entwicklung von der Raupe zum Schmetterling“, so George Westerman, Autor des Buchs Leading Digital: Turning Technology into Business Transformation. „Durch die Transformation sollte Ihr Unternehmen schneller, anpassungsfähiger und näher am Kunden sein. Sie sollte Ihnen Flügel verleihen für neue Höhenflüge.“

„Leider bleibt es bei vielen Unternehmen nur bei Worten über die digitale Transformation.“ Das Problem ist, dass sie nur darüber nachdenken, wie sie eine schnelle Raupe werden können, aber kein Schmetterling“, sagt Westerman.  (Lesen Sie das aktuelle Interview mit Westerman auf Appian.com, um mehr darüber zu erfahren, wie aus Technologie eine Transformation werden kann)

Mythos Nr. 3: Traditionelle Unternehmen können ihre Prozesse nicht an die digitale Wirtschaft anpassen.

Die Forschung zeigt etwas anderes.

Wir sehen, dass traditionelle Unternehmen viel in die digitale Umgebung investieren.

Bis 2020 werden die Gesamtausgaben für die digitale Transformation laut IDC um 17,9 % auf unglaubliche 2,0 Billionen Dollar steigen.

Die erfolgreichsten traditionellen Unternehmen transformieren ihre Geschäftsprozesse und das Kundenerlerbnis.

Sie sehen das große Ganze. Sie denken nicht nur schrittweise über das Mobilprojekt, das KI-Projekt oder die Entwicklung des Kundenerlebnisses nach.

Diese digitalen Größen überdenken grundsätzlich, wie ihre Unternehmen in Zukunft arbeiten könnten. Und dann finden sie die richtige Technologie, mit der sie das umsetzen können.

Auf der anderen Seite warnen einige Fachleute, dass traditionelle Branchen, die bisher noch nicht von Disruption betroffen waren, 2018 und in den kommenden Jahren schwer von den aufkommenden Technologien überrollt werden könnten.

„Die nächste digitale Welle wird auch die Transformation der Arbeitsplätze von Hochqualifizierten mit sich bringen und deshalb noch viel weitreichendere Folgen haben“, so Stephen Andriole, Professor für Unternehmenstechnologie an der Universität Villanova.

„Die Kluft zwischen Start-ups und Mid-Stage-Unternehmen wird sich schneller denn je verringern“, sagt Andriole. „Damit sind die Tage, in denen man Technologie nach dem Zufallsprinzip überprüfte, gezählt. Die Verfügbarkeiten in der Cloud haben dies für immer verändert.“

„Ein Unternehmen wie Uber könnte nun in zwei bis drei Jahren geschaffen werden, statt in acht bis zehn.“

„Dieses Disruptionspotenzial stellt die größte Veränderung dar“, ist Andriole überzeugt. „… Wenn Sie also Chef eines großen, etablierten Unternehmens sind und denken, dass Sie vor Disruption geschützt sind, dann liegen Sie falsch.“

Mythos Nr. 4: Am besten beginnt man die digitale Transformation im Frontoffice.

Viele Unternehmen sehen in der digitalen Transformation einen Weg, Ihren Fokus auf das Kundenerlebnis zu schärfen. Warum? Weil das leicht ersichtlich ist.

Aber es ist besser, mit der Backoffice-Automatisierung zu beginnen, einschließlich RPA und KI.

Wenn Sie nicht zunächst Ihr Backoffice in Ordnung bringen, ist es schwierig, einen umfassenden Blick auf Ihre Kunden zu bekommen.

Die digitale Transformation beginnt bestenfalls im Backoffice. Denn wenn hier alles passt, kann es fantastische Entwicklungen geben, die vorher nicht möglich waren.

Mythos Nr. 5: Kunden wollen personalisierten Service – keine Automatisierung.

Amazon empfiehlt Ihnen auf der Grundlage bereits gekaufter Bücher weitere Werke. Netflix bezieht die Filme und Fernsehshows ein, die Sie bisher geschaut haben, um Ihnen weitere Vorschläge zu machen. Durch diese Empfehlungen kann der Absatz und die Zahl der Abonnementverlängerungen gesteigert werden.

Bei der digitalen Transformation geht es darum, das Kundenerlebnis und die Geschäftsprozesse zu transformieren, um schneller, flexibler und näher am Kunden zu sein.

Es gibt viele Annahmen darüber, was Kunden wollen. Und eine ist, dass sie sich Service und keine Automatisierung wünschen.Die Wahrheit ist, dass sich Kunden personalisierten Service wünschen. Es ist ihnen dabei egal, ob ihnen dieser von einem Roboter oder von einem Menschen geboten wird.Eine Möglichkeit dafür ist moderne Geschäftsprozessmanagement-Software, die so flexibel ist, dass sie Informationen aus verschiedenen Abteilungen verarbeiten kann. Ein typisches Beispiel: das dynamische Case Management von Appian.

Mit dieser erweiterten Geschäftsprozessmanagement-Funktion können Sie strukturierte Prozesse, regelbasierte Policies, Daten und Inhalte in Ihrem gesamten Unternehmen miteinander verbinden, um ein personalisiertes Kundenerlebnis zu bieten.

Sie kennen das. Personalisierung bietet unglaubliche Vorteile. Laut eMarketer wird der Einzelhandelsumsatz bis 2021 auf 5,68 Billionen Dollar steigen. Außerdem geht Accenture davon aus, dass der Umsatz von Unternehmen insgesamt um bis zu 2,95 Billionen Dollar steigen könnte, wenn sie das Kundenerlebnis durch die digitale Transformation personalisieren.

Wenn Sie noch nicht auf Automatisierung zurückgreifen, um ein personalisiertes Kundenerlebnis zu bieten, sollten Sie das also schnell ändern.

Mythos Nr. 6: Bei der Einführung von Technologie sollte man lieber perfekt als früh dran sein.

Das gilt nicht, wenn Innovation schneller geschieht als sich jemals jemand vorstellen konnte oder die Veränderung immer mehr als die Norm gesehen wird und es mehr disruptive Kräfte und weniger Eintrittshürden gibt.

Es reicht einfach nicht mehr aus, nur die Effizienz Ihrer wichtigsten Prozesse zu steigern.

Laut dem Harvard Business Review dauerte es 30 Jahre, bis Elektrizität eine Penetrationsrate von 10 % erreichte und bei Telefonen 25 Jahre. Tablets hingegen haben diese Rate schon nach weniger als 5 Jahren erzielt.  Bis Telefone auf eine Penetrationsrate von 40 % kamen, dauerte es sogar 60 Jahre.

Denken Sie an das Smartphone, das innerhalb von nur zehn Jahren eine Penetrationsrate von 40 % erreicht hat.Digitale Leader verstehen, dass die Wirtschaft in der digitalen Welt anders läuft als in der physischen Welt. Viele digitale Größen haben davon profitiert, dass sie als erste oder frühzeitig aktiv wurden – nach dem Motto: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Es ist also wichtiger, früh zu handeln, und weniger wichtig, perfekt zu sein.

Mythos Nr. 7: Digitale Automatisierung zerstört Jobs.

Experten sind sich uneinig, ob die digitale Automatisierung Jobs zerstört

Die Fachleute sind hier geteilter Ansicht.

Es zeigt sich, dass die Automatisierung zwei Seiten hat: Es gehen Jobs verloren, doch gleichzeitig werden neue geschaffen.

Ja, Automatisierung führt zu weitreichenden Veränderungen in der Belegschaft, da sich viele Jobs durch Robotic Process Automation und künstliche Intelligenz wandeln. Ein aktueller Bericht des McKinsey Global Institute legt nahe, dass bis 2030 75 Mio. bis 375 Mio. Arbeitnehmer (3-14 % der Arbeitnehmer weltweit) in einen anderen Bereich wechseln oder ihre Kompetenzen erweitern müssen.Ein Blick auf die Geschichte und die Technologiesprünge zeigt jedoch auch, dass neue Technologien mehr Jobs schaffen, als sie zerstören. Die Frage ist, wie wir diesen Wandel gestalten. Dazu sind einige schwierige Entscheidungen in puncto Ausbildung und Investitionen erforderlich.

Es zeigt sich also: Das Geheimnis, um gegen die Disruption anzukommen, liegt darin, Ihr gesamtes Unternehmen in die digitale Transformation und die digitale Innovation einzubeziehen.

Das macht die Anziehungskraft der modernen Low-Code-Anwendungsentwicklung aus. Dadurch sind führende Kräfte aus Wirtschaft und IT an der digitalen Transformation beteiligt, da nicht nur Entwickler daran arbeiten, Lösungen zu entwickeln und sie an Kunden zu testen.Das Gegenteil ist der klassische Ansatz der kundenspezifischen Anwendungsentwicklung. Sprich: Nur ein paar Informatiker sind allein für Innovation zuständig. Hier könnte es jedoch nicht ausreichend sein. Öffnen Sie allen die Augen. Und machen Sie digitale Transformation zu einem weiteren Schlagwort.

„Es lässt sich alles darauf herunterbrechen, das Kundenerlebnis in den Mittelpunkt zu stellen und die Prozessautomatisierung zu nutzen, um ein besseres digitales Erlebnis bieten zu können – und zwar indem Sie alle Abläufe im Vordergrund und im Hintergrund miteinander verbinden“, so Clay Richardson, Mitbegründer & CEO von Digital FastForward (und zuvor bei Forrester Research).

„Es ist grundlegend, dass es bei der digitalen Transformation nicht nur um Prozesse geht, sondern auch darum, Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, hochwertige Arbeit zu leisten“, sagt Richardson.

 

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